Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer – Matthäus 9,13

Die Barmherzigkeit ist Gott extrem wichtig. Wenn wir die nicht haben, dann nützen uns alle Opfer und alle Spenden nichts.

Ich denke immer, das ist so ähnlich wie in einer Ehe: Du kannst deiner Frau jeden Tag Blumen mitbringen oder deinem Mann jeden Tag das Frühstück machen … wenn du nicht mit deinem Ehepartner sprichst, dann wird die Ehe scheitern.

Jesus sagt: „Nun geht, und denkt darüber nach, was Gott mit dem Wort meint: ‚Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‘ Dann versteht ihr auch, dass ich nicht gekommen bin, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder.“ (Matthäus 9,13; NeÜ)

Die Vorgeschichte zu Matthäus 9,13

Als Jesus diese Worte sagt, befindet er sich im Haus von Matthäus. Matthäus war bis in jüngster Vergangenheit Zolleintreiber für die verhassten Römer. Dann begegnete ihm Jesus … und er hing sein Gewerbe an den Nagel und folgte ihm. Bei ihnen befinden sich viele ehemalige „Kollegen“ von Matthäus und andere Menschen, die in den Augen der ehrbaren Pharisäer nur „Abschaum“ waren.

Jesus ist mit diesen Menschen nicht nur zusammen, er redet nicht nur mit ihnen … nein, er isst sogar mit ihnen. Dieses Verhalten können die Pharisäer nicht begreifen. Der Umgang mit Sündern ist ihnen verhasst.

Wie kann Jesus sich mit solchen Menschen umgeben?

Die Pharisäer täuschen sich selbst

Die Pharisäer gehören zur religiösen Oberschicht der Juden. Heute würde man vielleicht sagen: Sie sind Teil der oberen Zehntausend.

Der Irrtum, dass blindes Opfern Gott gefällt

Das Problem? Die Pharisäer denken, sie sind „etwas Besseres“. Sie denken, dass sie Gott nahe sind, weil sie die Heilige Schrift bis ins kleinste Detail kennen und buchstabengetreu nach ihr handeln. Sie opfern Zeit, Aufwand, Geld, vielleicht sogar ihr „ganzes Leben“ … doch ihr Opfer gefällt Gott nicht.

Warum?

Sie verwechseln fromme Rituale mit persönlicher Frömmigkeit.

Die Pharisäer halten sich für „gut“ und „eigentlich ganz O. K.“. Sie sind mit sich zufrieden. Diese Haltung führt dazu, dass sie selbstgerecht und stolz werden. Und das ist schlecht …

Mangelnde Barmherzigkeit als böse Folge des Irrtums

Geblendet durch ihre Selbsttäuschung entgeht den Pharisäern der tiefe Sinn der Heiligen Schrift. Die geistliche Dimension bleibt ihnen verborgen, der eigentliche Sinn.

Sie können große Teile der Heiligen Schrift aus dem Gedächtnis wiedergeben. Sie lieben es, stundenlang über Kleinigkeiten zu diskutieren. Da wird oft eine Mücke zum Esel gemacht, doch den Elefanten sehen sie nicht.

Was den Pharisäern fehlt, ist Liebe.

Ihr Verstand ist hochgerüstet, doch ihr Herz ist kalt. In den Menschen, mit denen Jesus sich im Haus des Matthäus umgibt, können sie nur „Sünder“ sehen. Und mit Sündern hat man nichts zu tun … man meidet sie.

So kommt es, dass sie das wichtige Gebot „Liebe deinen Nächsten“ aus den Augen verlieren. Und das ist ein Riesenproblem.

Warum Jesus mit den Zöllnern und Sündern zusammen ist

Matthäus 9, 13

Ist Jesus mit den „schlechten“ Menschen zusammen, weil er ihre Geldgier, ihre Vergnügungssucht und ihre Gottlosigkeit schön findet?

Natürlich nicht. Im vorangehenden Vers Matthäus 9,12 sagt Jesus: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ In dieser Aussage ist die Antwort auf unsere Frage enthalten:

Jesus sucht die Nähe der Sünder aus dem gleichen Grund, aus dem ein Arzt die Nähe von Kranken sucht: Um sie zu heilen.

Er weiß, wie schlimm es um die Sünder steht. Er weiß, dass sie einen Weg gehen, der sie immer weiter von Gott entfernt. Bis es dann irgendwann zu spät ist für eine Umkehr.

Ich glaube, es gibt einen Zeitpunkt, an dem die Trennung von Gott „verewigt“ wird. Was danach kommt, beschreibt die Bibel als Hölle. 

Was wir aus der Antwort von Jesus lernen können

Sündenerkenntnis

Liebe zu Jesus zeigt sich nicht in Opfern

Jesus wendet sich jedem Menschen zu … wenn dieser Mensch es nur will.

Die Pharisäer wollen nicht. Sie sind „stark“ und brauchen keine Hilfe. Sie kommen selbst mit Gott zurecht, kennen den „richtigen Weg“. Ihr Weltbild und ihr Gottesbild stehen fest. Jesus passt da nicht rein … und sein Umgang mit den Sündern schon mal gar nicht.

Den Menschen, die ihre eigene Sündhaftigkeit nicht erkennen (wollen), kann Jesus nicht helfen.

Sie stehen sich selbst im Weg. Sie können Jesus nicht als den Retter sehen,

  1. weil sie nicht erkennen, dass sie Rettung brauchen.
  2. Oder weil sie denken, dass sie sich selbst retten können

Gehörst du zu einer der zwei Gruppen? Dann trag dich in den Liebeland-Brief ein. Stück für Stück wirst du der Erkenntnis näherkommen …

Liebe zu Jesus zeigt sich in Barmherzigkeit

Zeit mit Jesus

Hat dich schon einmal ein Arzt angerufen und nach einem Termin für eine Untersuchung gefragt? 

Wahrscheinlich nicht. Bei Jesus ist das anders: Er kommt sogar zu dir nach Hause und klopft an deine Tür (Offenbarung 3,20).

Du musst nur eines tun: Öffne die Tür. Lass Jesus in dein Leben.

Er zwingt dich nicht, Zeit mit ihm zu verbringen. Genauso wenig wie er die Pharisäer gezwungen hat. Aber er bietet dir seine Gesellschaft an. Wie er es auch mit den Sündern aus unserem o.g. Bibelvers getan hat.

Wenn du mit Jesus Zeit verbringst, dann erkennst du dabei, wie Gott dich „gemeint hat“, als er dich erschuf.

Und besser noch: Wie er es mit allen Menschen gemeint hat.

Diese Erkenntnis macht dich barmherzig. Barmherzigkeit drückt sich in Nächstenliebe aus. Und die Nächstenliebe kannst du nur durch Jesus lernen. Und du kannst sie auch nur mit ihm „praktizieren“. Du denkst, du weißt, was Nächstenliebe bedeutet? Ich versichere dir: Wenn du Jesus nicht kennst, dann weißt du nichts.

Letzte Anmerkungen zu Matthäus 9,13

Ich empfehle dir, Markus 9,13 im inhaltlichen Verbund von Markus 9,1-14 zu lesen. Kurz und knapp schildert die Bibel hier, wie der Zöllner Matthäus berufen wurde (d. h. zu Jesus fand) und die anschließende Geschichte vom Essen mit den Sündern, der Frage der Pharisäer und den Antworten von Jesus. Höchst lesenswert 🙂

Diese Begebenheit wird ausserdem an zwei anderen Stellen der Bibel beschrieben: in Markus 2,13-17 und in Lukas 5,27-32.

Gott möchte, dass wir ihn lieben und das tun, was er uns sagt. Gehorsam (z.B. barmherzig zu sein) ist ihm unendlich viel wichtiger als irgendwelche Opfer. Matthäus 9,13 ist nur eine von vielen Stellen in der Bibel, an denen dieser Anspruch Gottes deutlich wird.

Übrigens: Jesus zitiert hier aus Hosea 6,6.

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