Barmherzigkeit

Barmherzigkeit

„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“ Lukas 6, 36
Jahreslosung 2021

Wie kam es zu diesem Thema Barmherzigkeit, zum Wechsel?


Die Geschichte vom genervten Prediger (erzählen)
Diese Geschichte zeigt uns etwas über Barmherzigkeit und ich komme am Ende der Predigt auf diese Geschichte zurück

Was ist Barmherzigkeit?
Barmherzigkeit ist ein „großes Wort“
Güte, Gnade, das Königswort der großen Wörter: Liebe
jeder würde es anders erklären, alles richtig … dennoch fassen wir es nicht ganz
(Gott ist unendlich; als endliche Wesen werden wir das nie richtig fassen )

kommt schon im AT vor, da kommt Barmherzigkeit als Wort vor, das ursprünglich den Unterleib bzw. die Innereien bezeichnet als Sitz des Mitgefühls
Im NT ist die Verwendung differenzierter. Mitleid schwingt mit, das Bejammern des Unglücks oder Todes eines Menschen

Was bedeutet das Wort für uns … jetzt und hier im Deutschen?
Barmherzigkeit / Erbarmen nahezu identisch
Erbarmen ist dem Wortsinn nach die „Hinwendung zum Armen“
mit Armer ist jemand gemeint, der Not leidet (große oder kleine)
Barmherzigkeit – noch ein bisschen aktiver
gebildet aus „arm“ und „Herz“
die „Arm-Herzigkeit“, d.h. ein Herz für Arme
das Anfangs-B dass das Wort nicht nur ein Gefühl meint, sondern eine Tätigkeit
Tätigkeit des Herzens (im Sinne von „Führung“, „Motivation“)
B. bringt das eigene schmerzliche Bewegtsein zum Ausdruck
Martin Luther übersetzt „mich jammert“


Matthäus 9, 36 Vers: Und als Er (Jesus) die Menschenmenge sah, jammerten sie ihn; denn sie waren erschöpft und zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben Luther

Zusammenfassung: Barmherzigkeit ist die eigene schmerzliche Bewegtheit, die zu einer Tat führt.

Warum ist Barmherzigkeit so wichtig? – 5 Gründe


1) Wollten wir Jesus beschreiben in Seinem Charakter, wäre „barmherzig“ nicht eine seiner markanten Eigenschaften?


Er ist ein vollkommenes Abbild vom Vater im Himmel, denkt nur an die Jahreslosung (Jesus war so barmherzig wie der Vater)
Jesu Erbarmen zeigt die durch die ganze Schrift bezeugte Barmherzigkeit Gottes.
Das geht schon los in 2 Mose 34, 6 in der großen Selbstvorstellung Gottes vor Mose: „Da zog der HERR vor seinen Augen vorüber und rief aus: »Der HERR, der HERR ist ein barmherziger und gnädiger Gott …“.
Barmherzigkeit steht an erster Stelle!

2) Wir wollen werden wie Jesus, immer mehr SEIN wie Jesus, uns verändern lassen durch den Heiligen Geist


Johannes 3, 30: „Er (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

3) Seine Barmherzigkeit hat Jesus „angetrieben“


Im „Großen“:
in Matthäus 15, 32 speist er viertausend Menschen, weil die Menschenmenge ihn „jammert“
in Matthäus 14, 14 heisst es: „Und Jesus stieg aus (aus dem Boot) und sah die große Menschenmenge; und sie „jammerten“ ihn, und Er heilte ihre Kranken“. Kurz darauf speist er diese Menge, Speisung der Fünftausend

Im „Kleinen“, im Konkreten, in der „praktischen Nächstenliebe“
Letzte Predigt: Bei der Nächstenliebe können wir uns nicht damit herausreden, dass wir erstmal schauen müssen, wer denn unser Nächster ist. Die Frage ist vielmehr:
Wem kann ich der Nächste sein?
Und die Antwort auf diese Frage bekommen wir durch Barmherzigkeit, durch unser „Herz für Arme“, unser „bewegtes Herz“.
Matthäus 20, 29-34: Zwei Blinde vor Jericho schreien nach Jesus: „Erbarme dich unser!“. Die Menschen wollen, dass sie ruhig sind, über Jesus aber steht in der Bibel: „Es jammerte Jesus, er rührte ihre Augen an und sofort wurden ihre Augen wieder sehend.“
ganz konkrete Nächstenliebe -> können wir?
Nun, das Können kommt vom Herrn


Markus 1, 41: Ein Aussätziger kommt zu Jesus, sagt: „Wenn du willst, kannst du mich reinigen“ und dann steht da: „Und Jesus, von Mitleid bewegt, streckte die Hand aus, rührte ihn an und sagte: „Ich will, sei gereinigt“
ganz konkrete Nächstenliebe -> wollen wir?
bewegt werden wir durch die Barmherzigkeit, das „bewegende Mitleid“, das treibt uns an, das kommt vom Heiligen Geist … aber auch hier entscheiden wir noch selbst … wollen wir oder sperren wir uns?

4) Wichtigster Grund: Weil Jesus sagt, dass wir barmherzig sein sollen


Der barmherzige Gott will barmherzige Menschen
Gott hat uns nach seinem Ebenbild erschaffen 1 Mose 1, 27
Gibt es etwas, das der Gott-Ebenbildlichkeit mehr entspricht als die Barmherzigkeit?
In Matthäus 9, 13 sagt Jesus: „Nun geht, und denkt darüber nach, was Gott mit dem Wort meint: ‚Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‘“ (Er zitiert damit Hosea 6, 6)
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in Lukas 10:
Jesus fragt: „Wer ist dem Zerschlagenen der Nächste gewesen?“
Der Gesetzeslehrer gibt die Antwort: Derjenige, der Barmherzigkeit an ihm tat, der ist dem Ausgeraubten der Nächste gewesen. -> Richtig!
Hier nochmal der Bezug zur Nächstenliebe -> einfach für uns „übersetzt“
Jesus sagt: „Du liebst deinen Nächsten, wenn du barmherzig bist.“
Wichtig ist der nächste Satz: „Nun geh … und mach es genauso.“

5) Barmherzigkeit ist „Voraussetzung“, dass wir Jesus nachfolgen und die „guten Werke“ tun können


Aus uns selbst können wir nichts Gutes tun

Johannes 15, 5 Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt reichlich Frucht. Denn getrennt von mir könnt ihr gar nichts bewirken.
Gott hat die „guten Werke“ vorbereitet
Epheser 2, 10 In Jesus Christus sind wir Gottes Meisterstück. Er hat uns geschaffen, dass wir tun, was wirklich gut ist, gute Werke, die er für uns vorbereitet hat, dass wir damit unser Leben gestalten. NeÜ
Wie sollen wir diese Werke erkennen?
Barmherzigkeit, die Regung unseres Herzens, unser neues Herz; das Wirken des Heiligen Geistes


Wie können wir barmherzig sein?

Passivität und Aktivität
Zwei Schwestern: die eine bricht bei traurigen Bildern in Tränen aus, die andere zuckt nur mit den Achseln
An einem Bettler in der Stadt geht die Erste ungerührt vorbei, die zweite gibt selbstlos, wenn sie die Not sieht
Wer ist barmherzig?
Wir sind nochmal bei dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter:
Der Priester und der Levit mögen den Beraubten beweint haben
doch der Samariter hat etwas getan!


Barmherzigkeit ist aktiv, tut etwas
Erinnert euch: Barmherzigkeit ist die eigene schmerzliche Bewegtheit, die zu einer Tat führt
Beides zusammen macht Barmherzigkeit aus:
Passive: das Mit-Leiden und
Aktiv: die Aktion, die hilfreiche Handlung
Wichtig: das Mit-Leiden tritt nach Aussen nicht unbedingt in Erscheinung (keine Gefühlsduselei)

Im Deutschen wird Barmherzigkeit sehr schön durch den Begriff „sich kümmern“ ausgedrückt
Es hat mit Kummer zu tun, mit einem Schmerz
und der Ausdruck bezeichnet eine Handlung.

Just do it – Tus einfach
Bei Gott beginnen die Dinge klein
Traue dich, bruchstückhaft zu helfen mache keine Kosten-Nutzen-Rechnung
Wenn du spürst, dass dein Herz dich treibt, dann hilf
der Bettler, der jede Woche an der gleichen Stelle sitzt
die Hungersnot, von der eine Reportage im Fernsehen gezeigt wird
der Nachbar, der zu alt zum Einkaufen ist
„Tropfen auf den heissen Stein“
dieser ist das Senfkorn aus Markus 4, 30ff: „Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, der kleinste aller Samen …


Wir sind niemals für das Ergebnis verantwortlich; aber wir werden einmal erklären müssen, ob wir Ihm gehorcht haben, ob wir Seinen Willen getan haben …
Lerne, deinem Herzen zu vertrauen
Gott hat uns ein neues Herz geschenkt -> spüren wir das?
Gib deinem bewegten Herz nach, erst im kleinen, dann werden größere Dinge folgen

Zurück zur Geschichte
Jesus jammmerte es, doch unsere Herzen sind viel kälter und verschlossener als das Herz Jesu
Wir brauchen manchmal „Erklärungen“, wie sie die Frau gegeben hat
Und ganz konkret:
Wenn uns ein Mensch ärgert, dann kann das ein Zeichen für Not sein
Lass uns in seine Haut schlüpfen. Wie? Indem wir „gut von ihm denken“
Lass uns solche Gedanken, wie sie der Prediger hatte, eine Führung sein zu mehr Barmherzigkeit

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