7 Fragen zur Barmherzigkeit (und die Antworten)

Was bedeutet Barmherzigkeit?

Barmherzigkeit ist ein Konzept, das es seit Urzeiten gibt. In modernen Gesellschaften scheint es jedoch zu verblassen. Warum passiert das?

Dies ist eine Fußnote zum Wort Barmherzigkeit

Das Wort „Barmherzigkeit“ kommt vom lateinischen Wort „misericordia“ und bedeutet „mitfühlende Liebe“. Diese Art von Liebe zeigt uns Gott durch Jesus Christus. Wenn wir tätiges Mitgefühl füreinander zeigen, zeigen wir Barmherzigkeit. Mit anderen Worten:

An Jesus Christus können wir lernen, was Barmherzigkeit tatsächlich bedeutet. Nicht nur theoretisch, sondern praktisch. Nicht nur in schönen Worten, sondern in Taten.

Jesus Christus ist das barmherzige Antlitz Gottes. Er zeigt uns nicht nur, was Barmherzigkeit ist; Jesus ist die Barmherzigkeit in Person.

Wir verstehen am besten, was Barmherzigkeit tatsächlich bedeutet, wenn wir anschauen, wie Jesus gelebt und gehandelt hat.

Barmherzigkeit ist etwas Aktives

Im Deutschen können wir uns vorstellen, dass der Begriff aus „arm“ und „Herz“ zusammengesetzt ist. Sie ist die „Arm-Herzigkeit“, d. h. das „Herz für Arme“.

(Mit Armen sind nicht nur Menschen gemeint, die wenig Geld haben oder materielle Not leiden. Es sind alle Menschen gemeint, denen etwas fehlt. Das können fehlende Liebe, Gesellschaft, Zuwendung und viele andere Dinge sein.)

Barmherzigkeit meint nicht nur das Gefühl, das „Mitleiden“, sondern eine Handlung, eine Tätigkeit.

Damit geht sie über das Mitgefühl hinaus. Es gibt keine Barmherzigkeit ohne Mitgefühl, aber nicht jedes Mitgefühl führt zur Barmherzigkeit, d. h. zu einer mitfühlenden Tat.

Barmherzigkeit bringt das eigene schmerzliche Bewegt-Sein zum Ausdruck

Wenn Jesus vom menschlichen Leid bewegt wurde, dann übersetzt Martin Luther das mit dem schönen Ausdruck „jammerte“. Hier ein Beispiel:

Und als Jesus die Menschenmenge sah, jammerten sie Ihn; denn sie waren erschöpft und zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben. Matthäus 9,36 (Luther)

Ich möchte Barmherzigkeit wie folgt definieren:

Barmherzigkeit ist die eigene schmerzliche Bewegtheit, die in eine konkrete Handlung mündet.

Was ist der Unterschied zwischen Gnade und Barmherzigkeit?

Die Begriffe sind ähnlich und vielen Menschen ist nicht klar, worin sich Barmherzigkeit und Gnade unterscheiden. Ich versuche, den Unterschied kurz und prägnant anhand einer Geschichte darzustellen:

Nimm einmal an, du hast keinerlei Einkommen und auch keine Perspektive. Der Mensch, den du liebst und mit dem du verheiratet bist, wird schwer krank. Aber eine teure Operation kann ihn retten. Um das Geld zu besorgen, überfällst du deshalb eine Bank.

Unser Gesetz sagt: Ein Bankraub ist eine Straftat. Jeder, der einen Bankraub begeht, hat eine Strafe verdient. Der Grund für die Tat spielt allenfalls bei der Höhe der Strafe eine Rolle.

Auf der Grundlage dieses Beispiels schauen wir uns den Unterschied zwischen Barmherzigkeit und Gnade an:

Barmherzigkeit ist, wenn der Richter dich für diesen Bankraub nicht bestraft. Obwohl du die Strafe verdienst, verurteilt dich der Richter nicht (oder das Urteil fällt sehr milde aus). Er rettet dich sozusagen vor dem Urteil, vor der Konsequenz deiner Tat, er spricht dich frei. Barmherzigkeit hat mit Nachsicht und Mitgefühl zu tun.

Gnade ist, wenn der Richter sich darum sorgt, dass die Operation bezahlt werden kann. Du hast es zwar nicht verdient, weil du ein Straftäter bist, aber dennoch ist der Richter extrem freundlich zu dir. Seine unverdiente Freundlichkeit ist so groß, dass er dir Gutes tut, obwohl du selbst es dir verdorben hast. Gnade ist ein unverdienter Gefallen.

Die Barmherzigkeit verschont dich vor dem verdienten Urteil. Die Gnade ist alles Gute, was du darüber hinaus erhältst.

Wie zeigt sich Barmherzigkeit im Alltag?

Die praktische Barmherzigkeit kann sich im Alltag in vielen kleinen und großen Handlungen zeigen.

Grundsätzlich gilt: Barmherzigkeit ist ein Ausdruck der Liebe.

Die Liebe ist die Grundlage, auf der die barmherzigen Taten stattfinden können. Diese Taten können sehr klein sein, z. B.

  • Du bist freundlich zu einem anderen Menschen, obwohl er nicht freundlich zu dir ist
  • Du hast Mitgefühl mit dem Bettler dort auf der Erde und legst eine Münze in seine aufgestellte Schale
  • Du magst die Person nicht, die dir entgegenkommt. Doch du verbietest dir das „innere Lästern“ und segnest sie stattdessen.

Die barmherzigen Taten können auch größer sein:

Praktische Barmherzigkeit zeigt sich immer darin, dass dir das Wohl eines anderen Menschen am Herzen liegt, und zwar so sehr, dass du es höher bewertest als dein eigenes Wohl. Du zeigst Mitgefühl, kümmerst dich um Andere und hinterlässt dadurch „Spuren“, die auf Ihn zeigen, auf Gott.

Bist du barmherzig, dann tust du genau das, was Gott von dir möchte:

Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist! Lukas 6, 36 (Neue evangelistische Übersetzung)

Warum ist Barmherzigkeit wichtig?

Barmherzigkeit bedeutet „Mitleid oder Mitgefühl zeigen“. Es ist ein Akt der Freundlichkeit gegenüber jemandem, der leidet oder Hilfe braucht. Weil es immer Menschen gibt und geben wird, die arm sind, leiden und Hilfe brauchen, ist die Barmherzigkeit so wichtig.

Ich möchte zwei Dimensionen unterscheiden, in denen die Barmherzigkeit wichtig ist:

Für Christen

Die Bibel lehrt, dass Gott barmherzig ist. Und Jesus selbst sagt, dass Er auf die Welt gekommen ist, um uns den Weg zur Barmherzigkeit zu zeigen.

Wenn wir ein wahrhaft christliches Leben führen und Jesus nachfolgen wollen, müssen wir ein Herz der Barmherzigkeit entwickeln. Wenn wir nicht barmherzig sind und kein Erbarmen haben, dann zeigen wir, dass wir nicht wirklich an Gottes Gnade glauben.

Jesus ist Barmherzigkeit. Und der Sinn des Lebens eines jeden Nachfolgers Jesu ist es, Jesus ähnlicher zu werden. Johannes der Täufer sagt uns:

Er (JesusI muss immer größer werden, ich dagegen geringer. Johannes 3,30 (Neue evangelistische Übersetzung)

Übrigens, fünf gute Gründe, warum für einen Christen die Barmherzigkeit essenziell ist, findest du in diesem Artikel.

Für die Gesellschaft

In unserer heutigen Gesellschaft übersehen wir oft die Bedeutung der Barmherzigkeit. Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Ursachen, von denen ich nur einige kurz anreisse:

  • Immer weniger Menschen glauben an Jesus. Sie können den tiefen Sinn von Barmherzigkeit deshalb nicht erkennen und umsetzen.
  • Wir leben in einem sozialen Wohlfahrtsstaat. „Hier muss doch keiner verhungern!“, und „Bei uns findet jeder eine Wohnung, wenn er nur will!“ sind Aussagen, die ich schon oft gehört habe. Wenn der Staat sich doch um alles kümmert, warum sollte ich mich dann kümmern?
  • Die Menschen leben zunehmend individualistischer und auf sich selbst bezogen. Erbarmen ist aus der Mode geraten, tätiges Mitgefühl beschränkt sich leider viel zu oft das Spenden für ein von den Medien hochgeschaukeltes „emotionales Event“. Die Not und der „hilfsbedürftige Nächste“ allerdings sind Realitäten, die direkt vor unserer Haustür stattfinden – leise, unangenehm und ohne jeden Glanz …

Das oft beschworene soziale Miteinander lässt sich nicht per Gesetz oder durch politische Überzeugungen verordnen. Der einzelne Mensch in seiner Liebe zu den Mitmenschen ist gefordert, unabhängig von irgendwelchen anderen Umständen oder Gegebenheiten.

Wie oft kommt Barmherzigkeit in der Bibel vor?

Wie kann ich Kindern die Barmherzigkeit erklären?

Es gibt eine einfache Möglichkeit, Barmherzigkeit zu erklären:

Welche anderen Begriffe gibt es für Barmherzigkeit?

Erbarmen ist ein anderer Begriff für Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit hat viel mit Vergebung zu tun. Vielleicht kann man sagen: Die Vergebung ist ein konkreter Ausdruck von Barmherzigkeit. Wer vergibt, der ist barmherzig, der hat Erbarmen. Eine andere konkrete Ausdrucksform ist die tätige Nächstenliebe.

Manche übersetzen Barmherzigkeit mit „unverdiente Freundlichkeit“.