Waffenträger in der Bibel

In der Bibel gibt es nicht wenige Verse, in denen von Waffenträgern die Rede ist. Fünf davon habe ich herausgesucht und stelle sie hier vor.

Warum?

Ich habe mir unter einem Waffenträger immer so etwas wie einen „Trage-August für Schwerter“ vorgestellt. Aber dieses Bild ist falsch. Ein Waffenträger ist viel mehr als nur ein Mensch, der Waffen trägt.

Was ein Waffenträger tatsächlich ist und warum er eine wichtige Position einnimmt, das erfährst du in diesem Artikel.

Ist der Waffenträger womöglich sogar eine Art Modell für dich selbst? Was können wir von ihm lernen? Auch diesen wichtigen Punkt schauen wir uns an.

Doch eines nach dem anderen …

Was ist ein Waffenträger?

Bei Bibelkommentare heisst es nüchtern: 

Der Waffenträger ist die Begleitperson eines Kriegers, die eine Stellung des Vertrauens und der Ehre innehatte.

Hmmm, ok.

Aber nun lass uns diese Definition mit Leben füllen …

Der Waffenträger Jonathans, des Königssohnes

„Tu, was du für richtig hältst“, erwiderte sein Waffenträger, „ich bin immer dabei!“ (1. Samuel 14, 7; NeÜ)

Dies sind die Worte des Waffenträgers von Jonatan. Warum sagt er das? Und was meint er mit: „Ich bin immer dabei!“? Das ist doch ein Versprechen, fast schon ein Schwur …

Na ja, Sekunden zuvor hat Jonathan ihm eröffnet, dass er beabsichtigt, eine gut befestigte Stellung des Feindes einzunehmen. Allein, genauer gesagt zu zweit … 

(Keine rosigen Aussichten für ein langes Leben.)

Die Antwort des Waffenträgers beweist, dass er loyal und treu zu seinem Herrn steht.

Weisst du, Waffenträger war nicht einfach nur ein Job, wie man heute vielleicht sagen würde. Wir dürfen uns einen Waffenträger nicht als eine Art Caddie (Träger für Golfschläger) vorstellen, der seinem Herrn die Axt und das Schwert hinterherträgt, ansonsten aber im Hintergrund bleibt und keine Bedeutung hat.

Eher im Gegenteil …

Der Waffenträger war der persönliche Begleiter seines Herrn. Immer und überall.

Wie würdest du dir solch einen Begleiter aussuchen? 

Die Chemie muss stimmen, er muss dir sympathisch sein, du musst ihn kennen und insbesondere: Du musst ihm vertrauen …

 … denn er ist dein Begleiter in der Schlacht! Seite an Seite kämpft er mit dir. Er ist bei dir, wenn es um Leben und Tod geht. Er sorgt für dich und hält dir den Rücken frei. 

Mit anderen Worten:

Der Waffenträger ist seinem Herrn sehr nahe und die beiden sind in Liebe und Vertrauen miteinander verbunden.

Der Waffenträger geht mit seinem Herrn durch dick und dünn.

Fast so wie ein bester Freund…

Waffenträger sein ist Ehre und Auszeichnung

Einen wunderschönen Bibelvers über das Verhältnis von Herr und Waffenträger haben wir hier:

So kam David zu Saul und trat in seine Dienste; und (Saul) gewann ihn sehr lieb, so daß er sein Waffenträger wurde … (1. Samuel 16, 21; Menge)

Dieser Vers macht eindrucksvoll deutlich, dass es so etwas wie eine Reihenfolge gibt:

  1. Du lernst eine Person kennen und arbeitest mit ihr. 
  2. Du gewinnst Vertrauen zu der Person, du gewinnst sie lieb.
  3. Die Person wird dein Waffenträger.

Ein Waffenträger ist also nichts, was du per Stellenanzeige suchen kannst. Die Position wird sozusagen „natürlich“ besetzt: mit einem Menschen deines Vertrauens und deiner Liebe.

Erst Vertrauen und Liebe, dann der „Job“.

Wie wurde ein Waffenträger ausgewählt?

Wir haben es schon erwähnt: Waffenträger wurden weniger ausgewählt, sie wurden eher „gefunden“. Sie mussten im Dienst reifen und wuchsen in die Stellung hinein.

Wichtige Eigenschaften eines Waffenträgers waren vermutlich Tapferkeit, Loyalität und Geschicklichkeit in der Kriegsführung.

Nicht vergessen: Die Schlacht war der Lackmus-Test für jeden Waffenträger, der Prüfstein für sein Können und der Gradmesser für seine Treue.

Es war eine hohe Ehre, als Waffenträger auserwählt zu sein. Wir haben schon gelesen: Der spätere König David war „zu Beginn seiner Karriere“ lange Zeit der Waffenträger von Saul.

Waffenträger waren Menschen, die ihren Herrn sehr nahestanden. Ihre „Chefs“ verliessen sich auf sie. Gerade dann, wenn es brenzlig wurde, musste Verlass sein, blindes Vertrauen. 

(Das macht die Tatsache, dass der Waffenträger Sauls seinem Herrn beim letzten Befehl nicht gehorchte, umso bitterer. Dazu gleich mehr …)

Zwei Waffenträger, zwei Entscheidungen

Zwei Bibelstellen fallen in Bezug auf Waffenträger besonders ins Auge. Die Stellen schildern ein nahezu gleiches Ereignis:

Der jeweilige Waffenträger (dessen Name in beiden Fällen nicht genannt wird) muss erleben, dass sein Herr in der Schlacht schwer verletzt wird. So schwer, dass er an seiner Verletzung sterben wird.

In beiden Fällen bittet der Herr seinen Waffenträger, ihn zu töten, ihm sozusagen den Gnadenstoß zu versetzen.

Ab hier allerdings hören die Gemeinsamkeiten auf…

Abimelechs Waffenträger

„Schnell rief er seinen jungen Waffenträger herbei und sagte: „Zieh dein Schwert und töte mich! Sonst wird es heißen: ‚Eine Frau hat ihn umgebracht.'“ Sein Waffenträger gehorchte und erstach ihn.“ (Richter 9, 54; NeÜ)

Abimelech war Richter in Israel, ein „Vorgänger“ des ersten Königs Saul. In der Schlacht um Tebez warf eine Frau einen Mühlstein vom Burgturm und verletzte Abimelech damit schwer. Eine Katastrophe, denn für einen Krieger war es eine schwere Schande, durch die Hand einer Frau zu sterben. Spott und Hohn wären ihm sicher. 

Deshalb wollte Abimelech durch die Hand seines Waffenträgers sterben. Der Waffenträger folgt seinem Befehl (vielleicht könnte man sagen: erfüllt seinen letzten Wunsch) und ersticht ihn.

 

Sauls Waffenträger

„Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert und durchbohre mich damit, damit nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich erstechen und misshandeln! Aber sein Waffenträger wollte nicht, denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein. Als nun sein Waffenträger sah, dass Saul tot war, stürzte auch er sich in sein Schwert und starb mit ihm.“ (1. Samuel 31,4-5; SLT)

Das Motiv Sauls ist ein anderes als das von Abimelech: Er fürchtet nicht Spott und Hohn, er fürchtet Folter und Misshandlung durch die Sieger.

Problem: Sauls Waffenträger gehorcht nicht. Er hat Angst, er fürchtet sich.

(Diese Stelle habe ich lange nicht verstanden. Wovor hatte er Angst? Inzwischen habe ich eine Antwort gefunden, du findest sie ein paar Zeilen weiter unten…)

Saul bleibt nicht anderes übrig, als sich von eigener Hand zu töten. Selbstmord. Nach seinem Tod bringt sein Waffenträger sich ebenfalls selbst um.

(Übrigens: Sauls Ahnung, dass seine Feinde ihm sehr übel mitspielen würden, war richtig. Als die Philister seinen Leichnam fanden, köpften sie ihn. Seinen und die Körper seiner drei gefallenen Söhne hängen sie provokativ an der Stadtmauer auf – eine brutale Zurschaustellung ihres Sieges über das israelische Königshaus.)

Wovor hatte Sauls Waffenträger Angst?

Warum weigerte sich Sauls Waffenträger, seinem Herrn zu gehorchen und ihn zu töten? Wovor fürchtete er sich so?

Die Antwort habe ich nur ein paar Verse weiter gefunden:

Da rief David aus: »Wie? Du hast dich nicht gescheut, deine Hand zu erheben, um dem Gesalbten des HERRN das Leben zu nehmen?« Hierauf rief David einen von seinen Leuten herbei und befahl ihm: »Tritt herzu! Stoß ihn nieder!« Der hieb ihn nieder, daß er starb. (2. Samuel 1, 14-15, Menge)

David befragt in diesem Vers einen Mann, der von sich behauptet, den König Saul getötet zu haben.

(Wir wissen, dass dies eine Lüge ist. David kann es nicht wissen.)

David ist entsetzt. Obwohl er selbst von Saul gejagt und mit dem Tod bedroht wurde, so wusste er doch eines: Saul war von Gott zum König gesalbt worden.

Oder um es salopper auszudrücken: Gott selbst hatte Saul zum König gemacht.

Jemanden zu töten, der von Gott ausgewählt ist, das ist eine schlimme Verfehlung. So schlimm, dass David befiehlt, den Mann umzubringen…

Eine furchtbare Tragödie.

Der Mann wusste nicht, was er tat…

Schon hier gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Der Möchte-gern-Mörder Sauls war Amalekiter, kein Israelit. Er wusste nicht, welch furchtbares Verbrechen er da gerade gestanden hatte: Er hatte einen Auserwählten Gottes getötet!

Diese Lüge musste er mit seinem Leben bezahlen.

Und damit sind wir wieder beim Waffenträger…

Der Waffenträger war Israelit und wusste genau, dass Saul gesalbter König ist. Er hatte Angst vor den Konsequenzen, wenn er diesen Gesalbten töten würde, d. h. wenn er Gottes Willen missachten und schlimmer: bewusst brechen würde.

Dass die Bitte von Saul selbst kommt, ändert nichts daran…

Waffenträger – was wir von ihm lernen können

Vielleicht ist es dir gar nicht aufgefallen: Bisher haben wir den Waffenträger immer aus der Perspektive des Herrn gesehen. Von oben herab, sozusagen…

Aber ich glaube, das Bild ist ein anderes.

Ich glaube nicht, dass Gott mir mit seinem Wort sagen möchte: „Du bist der Herr! Nun sieh zu, dass du einen Waffenträger findest. Nur mit gutem Waffenträger kannst du ein guter Herr sein.“

Mein „Vorbild“ in diesem Bild ist nicht der Herr.

Mein Vorbild ist der Waffenträger.

Jesus ist der Herr. Da gibt es unter Gläubigen keine zwei Meinungen. Und die goldene Frage dieses Artikels lautet:

Bin ich ein guter Waffenträger?

Wie ist meine Beziehung zu Jesus?

Der Herr liebt mich, das ist hundertprozentig sicher. 

Aber kann er mir zu 100 % vertrauen?

Bin ich ihm treu ergeben?

Tue ich, was Er mir sagt?

Habe ich ihm mein Leben gewidmet?

Weiter oben haben wir uns die Reihenfolge angeschaut, wie sich das Verhältnis von Herr und Waffenträger entwickelt. Lass uns diese Reihenfolge noch einmal aus der Sicht des Waffenträgers betrachten – und zwar ganz konkret im Verhältnis „Jesus = Herr“, „Du = Waffenträger“:

  1. Du lernst Jesus kennen.
  2. Nach und nach erkennst du, dass er der Herr ist. Du erkennst, dass in ihm alle deine Fragen beantwortet werden, dass er buchstäblich das Leben ist. Du nimmst Jesus aus vollem Herzen als deinen Herrn an. (Gute Nachricht: Jetzt fängt ein neues Leben für dich an!)
  3. Dein Vertrauen und deine Liebe wachsen stetig. Dein Wunsch, mit ihm zu leben, ihm zu dienen, dein Leben in enger Gemeinschaft mit ihm zu führen, wächst. Und parallel wächst auch deine Fähigkeit, dies tatsächlich zu tun:

Du bist kein Untertan mehr, du bist Waffenträger.

Der Unterschied ist enorm.

So enorm, dass ich mit guten Gewissen sagen kann:

Jetzt fängt ein neues Leben für dich an.

Du wechselst von der passiven in die aktive Rolle.

Vom passiven Untertanen wirst du zum aktiven Waffenträger.

Du beginnst, deinen Glauben an Jesus zu l-e-b-e-n.

Das ist wie eine Frischzellen-Kur.

Ein Jungbrunnen.

Leben.

Und du spürst, dass du endlich am Ziel angekommen bist.