Markusevangelium – die Auseinandersetzung beginnt

Markusevangelium Markus 2, 1-17 Zusammenfassung

Zeitliche Abfolge vermutlich zwischen Episode 1 und 2, die chronologisch erzählt werden (Vers 13: Und Er ging wieder hinaus …)

Das Mahl mit den Sündern folgte vermutlich nicht direkt darauf. In Vers 15 erfolgt ein "Zeitsprung": "Und es begab sich …"

Genauso vor den nächsten Episoden in den Versen 2, 18.23 und 3, 1

Ich teile diesen Abschnitt in drei Episoden ein:

1 Die Heilung eines Gelähmten ("Der Gichtbrüchige")

Markus 2, 1-12

Jesus predigt, die Menschen hören gebannt zu, sie drängeln sich sogar vor dem Haus.

Ein Gelähmter wird durch das Dach heruntergelassen Markus 2, 2-4

Häuser in Palästina waren flach, Holzbalken mit Zweigen und Erde dazwischen. Es ist ein großes Loch notwendig, einen Mann auf einer Bahre hinabzulassen.

Es entstand garantiert großer Lärm und es fiel Erde herunter. Das wird die Aufmerksamkeit der Menschen von Jesus weg auf das größer werdende Loch im Dach gezogen haben.

(Beispiel: Ich habe diese Woche ein Webinar gehört und im Hintergrund hat jemand Geschirr weggeräumt: das hat mich sehr gestört und ich war sogar genervt.) Story

Wer ist im Haus anwesend? Jesus, Menschen aus dem Volk, Schriftgelehrte, vermutlich die Hausbesitzer (Simon und Andreas, siehe Markus 1, 29). Weitere anwesende Personen: Der Gelähmte und seine vier Freunde.

Frage: Was haben diese Menschen gedacht, als diese massive Störung auftrat?

Gedanke: Vier Freunde bringen den Gelähmten zu Jesus. Jesus hat zu diesem Zeitpunkt vier Jünger (Simon Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes) Reihenfolge Erste Jünger

Der "Einbruch" des Gelähmten in das Haus muss ähnlich "störend" auf die Menschen gewirkt haben wie das Auftreten Jesu auf die Menschen.

Menschen: neugierig, gespannt, abgelenkt, "schnell zugetan", gegen etablierte Autoritäten

Hausbesitzer: irritiert, haben Erkenntnis, dankbar

Schriftgelehrte: gestört, genervt, angegriffen, bedroht

Die Freunde: entschlossen, haben Glauben, sind treu und helfen: lieben (tätige Nächstenliebe)

Der Gelähmte: dankbar, hoffnungsvoll

Jesus sieht den Glauben der Freunde und sagt zum Gelähmten: "Deine Sünden sind dir vergeben" Markus 2, 5 Jesus = Gott

-> Das ist ein klare Aussage, eine Positionsbestimmung, eine Offenbarung(?!?)

Jesus setzt hier einen anderen Schwerpunkt, was letztlich einen Menschen heil macht

Deutlicher Hinweis, wer Jesus ist: Sünden vergeben, das kann nur Gott.

Die Schriftgelehrten sind verärgert Markus 2, 6

Was sind die Schriftgelehrte?

Ursprüngliche Aufgabe: Kopien der alttestamentlichen Bücher anfertigen

jetzt: Rechtskundige, die das alttestamentliche Gesetz interpretieren

Wegen ihrer ausgezeichneten Kenntnisse der Schrift fragen Menschen sie in diesem Bezug. So wandelte sich ihre Rolle immer mehr zu der von Lehrern.

Warum sind die Schriftgelehrten verärgert?

Johannes 9, 1-3

Im Judentum galt die Auffassung: Krankheit ist eine direkte Folge von Sünde

Daher kann es mit einem Kranken erst besser werden, wenn die zugrundeliegende Sünde vergeben ist.

Sünden vergeben kann nur Gott. Jesus beansprucht eindeutig, an Gottes Stelle zu handeln. Das wirkt auf die Frommen wie Gotteslästerung. Auf Gotteslästerung steht nach dem AT der Tod 3 Mose 24, 16

Sie sprechen ihre Verärgerung nicht aus, sondern "denken in ihrem Herzen": Gott sieht das Herz, das Innere. Jesus auch, d.h. Jesus ist Gott. Jesus = Gott. Dies ist die erste Frage.

Jesus antwortet (auf die stille Frage!) typisch rabbinisch: mit einer Gegenfrage. Rabbi

Die Antwort ist offensichtlich: Sündenvergebung zusprechen ist leichter als sofortige (sichtbare, manifestierte, weltliche) Heilung (denken wir?!?)

Warum? Es gibt keinen Weg, zu beweisen, dass die Sünden vergeben sind. Aber es ist offensichtlich, ob ein Mensch wieder laufen kann oder nicht.

Warum heilt Jesus den Gelähmten nicht sofort?

-> neue Erkenntnisse über die Herrschaft Gottes und seine eigene Identität (s.o.)

Jesus heilt den Gelähmten, das ist offensichtlich. Theologie der Schriftgelehrten besagt, dass Vergebung und Heilung unmittelbar zusammenhängen. Schlussfolgerung: Wenn Jesus heilen kann, kann Er auch Sünden vergeben.

Die sichtbare Heilung ist der Beweis für die unsichtbare Sündenvergebung!

Weitere Schlussfolgerung: In Markus 2, 7 sagen die Schriftgelehrten selbst, dass nur Gott Sünden vergeben kann! Als Konsequenz hätten sie schließen müssen, dass auch Jesus Gott ist (oder zumindest ein Repräsentant Gottes)

Warum zogen die Schriftgelehrten diese Konsequenz nicht?

Was lernen wir daraus=

2 Die Berufung des Zöllners Levi Matthäus

Levi ist nach urchristlicher Tradition der Verfasser des Matthäus-Evangeliums. Matthäus 9, 9. Für die Menschen war dieser Zöllner vermutlich eine katastrophale Wahl Erste Jünger. Nach Markus ist er der fünfte Jünger. Auch dieser Mann reagiert sofort, ohne Zögern.

von der religiösen Oberschicht und dem einfachen Volk verhasst Zöllner

trieben im Auftrag der heidnischen Römer die Steuern ein

sie waren reich, weil sie mehr als gefordert kassierten (nur sie selbst kannten die wirkliche Höhe der von den Römern geforderten Steuern). Zöllner wurden als gemeine Menschen, Räuber und Mörder betrachtet.

waren ausserhalb der religiösen Rechtgläubigkeit

Gibt es diese Gruppe der Zöllner auch heutzutage?

Mit wem müsste Jesus sich zusammensetzen, damit wir selber verärgert wären?

Homosexuellen? Kinderschändern? Moslems? Kopftuch-Frauen? Korrupten Politikern? Sozialhilfe-Betrügern?

3 Das Mahl mit den Sündern

Mit jemandem eine Mahlzeit teilen war ein Ausdruck großer Wertschätzung. Es beinhaltet die umfassende Anerkennung dessen, mit dem man isst. Mit dieser Mahlzeit weitet Jesus seine Vergebung (siehe Markus 2, 10)auf diejenigen aus, die ausserhalb der religiösen Rechtgläubigkeit stehen.

Markus 2, 15

"… viele, die ihm nachfolgten …": Magnetischer Jesus

"Zolleinnehmer und Sünder (Leute, die als Sünder galten = vor den Menschen!): diese "Sünder" sind in den Augen der Juden alle Menschen, die es versäumen, ihren religiösen Pflichten nachzukommen.

Bei besonders frommen Juden gehören auch die normalen Leute dazu, die arbeiten müssen und deshalb nicht das ganze rituelle Gesetz befolgen können.

Markus 2, 16+17

Die zweite Frage der Schriftgelehrten: Wie kann Er nur zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?

Unverständnis, wie ein ernsthaft religiöser Mensch mit dem gesellschaftlichen Abschaum essen kann. Zwei Gründe:

das Essen wurde nicht nach rituellen Vorschriften zubereitet, war also im religiösen Sinn unrein

Wie kann man einem Sünder und Zöllner seine Anerkennung geben?

Die Antwort Jesu ist ein doppeldeutiges Bildwort:

eine verständliche Erklärung Seines Verhaltens: Er ist gekommen, die Kranken zu heilen. Die Kranken, d.h. die Sünder sind in diesem Fall die Personen, mit denen er isst

nach genauerem Überlegen: Könnte Jesus sie selbst als Sünder bezeichnet haben?

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