Psalm 137,9 – Eine Erklärung

Glücklich, wer deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert! (Psalm 137,9; NeÜ)

Vers 9 ist der grausige letzte Satz von Psalm 137.

Viele Menschen suchen nach einer Erklärung für Psalm 137,9. Zugegeben, er hört sich martialisch an. Er hört sich brutal, unmenschlich und böse an.

Was es nicht besser macht:

Schon die beiden vorhergehenden Verse schreien nach Rache und Vergeltung. Das gefällt vielen Christen nicht. Und Nicht-Christen führen diese Verse gerne an, um die angebliche Menschenverachtung der Bibel zu belegen. Oder sie nehmen sie als Begründung, warum sie Gott ablehnen. Das ist etwas kurzsichtig, um es einmal salopp auszudrücken …

Wie kann ich diesen schwierigen Vers verstehen?

Lass uns den Vers genauer untersuchen:

Die Juden wurden nach Babylon ins Exil verschleppt. Kurz zuvor hatten die Babylonier Jerusalem zerstört und dabei viele, viele jüdische Menschen (auch Frauen und Kinder) auf äusserst brutale Art und Weise getötet. In den Versen 8 und 9 nun verwünscht der Schreiber dieses Psalms in seinem großen Schmerz die Urheber und Verursacher dieses unermesslichen Leids.

Der Schreiber des Psalms ruft nach Gerechtigkeit: „Behandele die Babylonier genau so, wie sie uns behandelt haben.“

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Das ist es, was der verbitterte Schreiber sich meiner Meinung nach an dieser Stelle von der Seele schreibt. Er ist zutiefst verletzt und er sinnt auf Rache. Er will Vergeltung für das Leid, das ihm und den Seinen angetan wurde.

Können wir es ihm verdenken?

Die Bibel ist ein Buch über das Leben und sie tut nicht so, als ob alles in Ordnung wäre. Sie sagt uns, was nicht in Ordnung ist. Immer wieder. Auch an dieser Stelle. Die Bibel hält uns einen Spiegel vor … sie beschreibt, wie die Menschen wirklich sind. Und dazu gehört:

Menschen sinnen auf Rache und Vergeltung.

Das können wir in diesem Psalm lesen. Und das lesen wir jeden Tag in der Zeitung.

Glaubt wirklich jemand, dass der Mensch sich aus eigener Kraft ändern kann?

Die Bibel gibt Antworten auf schwierige Fragen. 

Und die Kurzversion aller Antworten lautet:

Liebe siegt – Jesus Christus lebt!

Das sollten wir niemals vergessen und mit diesem Gedanken im Hinterkopf sollten wir die Bibel lesen. Auch das Alte Testament. Auch die Psalmen. Denn Jesus ist die Lösung für all unsere Probleme.

Psalm 137,9 von Jesus her verstehen

Gerade habe ich in einem Text aus „Das lebendige Wort“ folgendes gefunden:

Martin Luther wagt in seiner Auslegung über diesen Psalm den Satz:

„Der Fels ist Christus; die kleinen Kinder aber sind unsere bösen Triebe und Wünsche. Was soll man tun, wenn man diese Triebe und Wünsche spürt? Wie soll man sie überwinden?

Antwort: Indem man sie an den Felsen Christus schmettert.“

Wie gesagt: Jesus ist die Lösung.

Psalm 137 besser verstehen durch den geschichtlichen Zusammenhang 

„Sie müssen es mit eigenen Augen sehen, wie man ihre Kinder zerschmettert, ihre Häuser plündert, und ihre Frauen schändet“ (Jesaja 13, 16; NeÜ)

Dieser Text ist dem Psalm 137,9 sehr ähnlich. Er stammt von dem Propheten Jesaja und ist Teil einer Weissagung über die Stadt Babylon.

Jesaja sagt voraus, dass Babylon in einem verheerenden Krieg vernichtet werden wird. Dabei nennt er viele Details und beschreibt ausführlich die Schrecken des Krieges, zu denen auch der o.g. Text gehört.

Der Prophet nennt sogar das Volk mit Namen, das Babylon vernichten wird. Es sind die Meder, ein barbarisches Volk, das Silber und Gold verachtet und damit das genaue „Gegenteil“ von Babylon ist, dem „Schmuckstück unter den Königreichen“ (Jesaja 13, 17+19).

Rachsucht ist menschlich, Gerechtigkeit ist göttlich

„Rächt euch nicht selbst, Ihr Lieben, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes! Denn in der Schrift steht: ‚Es ist meine Sache, das Unrecht zu rächen, sagt der Herr, ich werde Vergeltung üben!‘“ (Römer 12,19; NeÜ)

Diesen Vers nehme ich auf, weil er eine wunderbare Ruhe und Sicherheit gibt. Er schildert, wie ein Mensch mit solchen Themen wie Rache und Vergeltung umgehen kann, der die Erlösung durch Jesus Christus erleben darf.

Er hört sich erst mal gar nicht viel anders an als der Psalm 137,9, stimmt’s? Doch der Schein trügt …

Der Apostel Paulus hat diesen Text in seinem Brief an die Gemeinde in Rom geschrieben. Seinen „Hintergrund“ und seine unglaubliche Wucht erkennen wir allerdings erst, wenn wir ihn nicht isoliert betrachten. Tatsächlich steht er in der Mitte einer Sinn-Einheit, die sich von Vers 17 bis 21 erstreckt.

Einen Artikel über diese Einheit schreibe ich demnächst (hier eintragen, wenn du informiert werden willst), für eine Kurzversion lies einfach weiter:

Die Verse Römer 12, 17–21 beschreiben den Kern christlichen Lebens. Als Christen können wir vergeben, weil wir in Jesus Christus die Vergebung Gottes erleben. Damit sind wir erlöst … u. a. von Rachsucht und dem Drang nach Vergeltung. Das ist herrlich! Römer 12,19 ist da noch einmal wie eine zusätzliche Bestätigung dieses Wissens:

Kümmert euch nicht um Rache und Vergeltung, vertraut auf den Herrn.

Schreibe einen Kommentar